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Es war einmal ...

In aller Kürze:
Dieser Artikel beschreibt, wie ich zu dem geworden bin, der angefangen hat, der zu werden, der er heute ist.
Christian
aktualisiert: 14. April 2022
erschienen: 02. August 2014
Inhaltsverzeichnis

Dieser Artikel beschreibt, wie ich zu dem geworden bin, der angefangen hat der zu werden, der heute lebt, auf das morgen zustrebt und vom gestern genährt ist.

Heute, in 2022, diese Zeilen zu lesen ist für mich, wie die Geschichte eines anderen Menschen zu erfahren. Denn die Situationen sind erlebt: durchlebt und abgeschlossen.

Trotzdem fühle ich noch Ansätze dessen, was es für mich damals bedeutet hat. Und die folgenden 4000 Worte sind ein bedeutender Teil, was mich zu dem Menschen und Coach hat werden lassen, der heute so froh ist, all das erlebt zu haben, was er hat früher nicht erleben wollen.

Kindheit

Ich war gerade 15 Jahre alt und zählte soeben Nummer 23. Sie war ungefähr genauso wie Nummer 22, die wieder wie Nummer 21 war und so weiter. Kurzum – ich hatte es satt. Ständig das gleiche und der immer wieder gleiche Ablauf. Lag das jetzt an mir? Wieder? Schon wieder? … Also wie immer? Ich war gerade auf dem Weg zu meinem Ort der Ruhe. Einfach um Abstand zu gewinnen. Von allem. Vom Leben – aber besonders von meinen Eltern. Nummer 21, 22 und 23 waren keine Mädchen – das wäre damals mein Traum gewesen, aber wer will sich schon die Geschichte von einem Jungen anhören, der auf das Leben mit sich selbst und seinen Eltern nicht klar kommt. Ja, wer hat Lust und Kraft, sich dauernd dieses Geningel und Gezeter anzuhören.

Wenn man nichts dagegen tun kann. E-e-e-e-i-i-i-n-f-a-c-h nur ausharren und warten. Das war damals mein großes Ziel. Aber dazu gleich mehr.

Zum Glück gab es die Natur

Noch heute ist er, zusammen mit einem anderen Berg, mein Lieblingsplatz, wenn ich meine Heimat besuche. Viel verbinde ich damit. Auf dem Berg oberhalb der 15.000 Einwohner Stadt zu sitzen, direkt in einer kleinen Baumsiedlung; schweift der Blick links, sind kleine Baumzüchtungen zu sehen (Ich weiß, welche Arbeit dahinter steht, 1.000 schnurgerade 50cm hohe Bäume zu züchten. Im zarten Alter von 14 Jahren habe ich mit eigenen Händen solche Bäume an Gestänge gebunden. Im Regen – kriechend – für 3€ die Stunde plus 50 Cent Schwerstarbeiterlohn – das hatte sich wirklich gelohnt. Und gleichzeitig war es mein Einstieg in die Arbeitswelt … doch ich schweife schon wieder ab).

Ich lasse meinen Blick also nach rechts schweifen und erblicke nach dem abfallenden Feld die Bäume des Endeparks und weiter in der Ferne ebenfalls … Wälder.

Hier kann ich mir den Wind um die Ohren segeln lassen, die Sonne genießen und den Tränen freien Lauf lassen. Gerade eben bin ich nach der 23. Eskalation zum vielleicht 5. Mal (wer zählt da schon so genau mit?!) einfach von daheim fortgerannt – mit dem festen Plan nie wieder heimzukehren. Einfach in die Welt hinaus zu gehen, mein Glück zu versuchen und MEIN Leben zu leben. Was war diesmal eigentlich passiert?!

Unfähig, aufgrund des Schocks oder was weiß ich was (will man sich eigentlich erinnern, wie es genau dazu kam, seine Eltern im Flur mit einem Befreiungsschlag wie Dominosteine umgeschlagen zu haben?; mit wildgewordener Wut - mal eben wieder zum Tier mutiert zu sein - die  Eingangstür im dreistelligen Dezibel-Bereich daran zu erinnern, wer ihr sagt, wann sie ins Schloss zu fallen hat, gleichzeitig die Eltern durch das lautstarke Scherbeln ebendieser daran zu erinnern:

„Seht her! Vielen Dank! Genau so habe ich mir mein Leben vorgestellt! Mein Ziel war schon immer, im 2-wöchigen Rhythmus gepflegte und vergiftete Streitereien zu erleben, die nicht selten in Heulen, Schreikrämpfen und Fluchtversuchen endeten.“

Und ich war ja schon bei Nummer 23. Pi mal Daumen 46 Wochen – ein Jahr. Gott, wie lange sollte das noch gehen?!

Ich wusste es nicht, doch ahnte es bereits. In den folgenden Jahren hatte ich noch öfter Zeit, mir die Pracht meines geliebten Ortes anzuschauen. Doch es hat auch seine guten Seiten, während andere die ersten oder zweiten oder dritten Erfahrungen mit den schönsten Vertretern des anderen Geschlechts machen, nach der gekonnten Abwehr eines Zeitungswurfes mal wieder das eigene Zimmer wortwörtlich verwüstend vorzufinden – was dann letztendlich in einem halbstündigen Heulkrampf in meinem Bett endete, nur mit dem Zweck, dass es doch einen Menschen auf dieser Welt geben müsse, der zu mir kommt und mir zeigt, dass ich gern gesehen bin, hier auf dieser Welt.

Ein kleiner Tod – jedes Mal

Es muss wohl ungefähr so geklungen haben, als würde eine Mutter im Krieg um ihr soeben vor ihren Augen erschossenes Babys weinen. Zumindest sprach mich regelmäßig einer meiner Freunde, der eine Etage unter mir wohnte, auf derartige Schreie, Rumpeleien oder Heulattacken an. Für mich jedenfalls fühlte es sich genau wie für jene eben beschriebene Mutter an. Ein kleiner Tod – jedes Mal.

Ich glaube, dass ich es gar nicht bemerkte. Äußerlich hatte ich ein Leben, es war nicht einmal schlecht. Ich hatte Freunde (mittlerweile; aber diese Geschichte reicht noch einmal knapp 10 Jahre weiter zurück), sogar einen immer größer werdenden Bekanntenkreis und konnte mich auch in unserer Gemeinde engagieren. Einfühlsam und immer für andere da. Ich trug Zeitung aus und verdiente mir so das nötige Kleingeld für was auch immer. Am Anfang Fahrradteile, später Moped und Sprit und noch später Zigaretten.

Im Inneren jedoch … puh … heute sage ich, dass ich schon tot gewesen bin. Gefühlsmäßig war da nichts mehr. Ich hatte mich komplett in meinen Kopf zurückgezogen. Und so ging ich auch mit mir um. Mein Körper musste gehorchen. Ja, ich bewegte mich sogar so. War da eine Ecke im Weg, lief ich mit der Schulter dagegen. Nicht mit Absicht. Ich war mir einfach meines Körpers gar nicht mehr bewusst. Da musste meine Schulter einfach durch.

Schmerzen?!

„Es gibt Leute, die meckern wegen jedem Kratzer – du gehörst zu den Harten! Also jetzt halt die Klappe!“ Wenn diese, sich als Möchtegernmänner darstellen Würmer wüssten, was für MICH Schmerzen bedeuten, dann … ja?! Was eigentlich?

Auszug von daheim

Wie immer im Leben siegt eine Sache gewiss – die Zeit! Und so kam der Tag (mittlerweile hatte ich meinen Zivildienst in der Altenpflege und weitere prägende Stories überstanden), an dem ich auszog. Ich glaube, dass meine Eltern und ich uns noch nie so schnell einig waren wie bei der Entscheidung, mit Beginn des Studiums das Elternhaus zu verlassen.

Genauso wie ich mich um meinen Notenschnitt gekümmert hatte und meine Studienentscheidung gewählt hatte, kümmerte ich mich auch um meine ersten eigenen 4 Wände. „Irgendwie wird das schon.“

Wurde es auch! Einen Monat vor Studiumsbeginn hatte ich mir dann doch noch ein Wohnheimzimmer organisiert. Und zwar eines der ganz tollen! Von Studenten liebevoll „Alcatraz“ genannt, bewohnte ich einen 4-stöckigen braunen Block, der seit seiner Renovierung in der DDR der 70er Jahre keine Überholung gesehen hatte. Ein bisschen wie Asylheim fühlte es sich schon an. Aber ok.

Ich erinnere mich noch genau. Ich saß zum ersten Mal in meinem Zimmer auf meinem Bett, für das ich soeben den Schlüssel vom halb besoffenen Hausmeister geholt hatte. Vielleicht 20 Quadratmeter, das war wirklich groß!

Ein Waschbecken war im Zimmer, ein Kühlschrank auch. Der klickte gemütlich vor sich hin, je nachdem, ob er gerade kühlte oder nicht. Ein Schrank, ein Tisch, ein Regal und eben ein kleines Bett mit unbezogener Matratze, auf der ich gerade saß und den Moment genoss. Und genossen habe ich derartig! In meinem Kopf spielte sich nur ein Gedanke ab: Hier beginnt dein Leben! Kannst du dir das eigentlich vorstellen?! Es dauert noch ein paar Tage und dann bist du allein und … „Ach egal, Hauptsache raus von daheim!“

Meine Eltern halfen mir beim Umzug, freuten sich mit mir und ich glaube, die erste Zeit vermissten wir uns sogar. Ich kann nicht sagen, dass sie Arschlöcher waren, bin mir sicher, dass es im Herzen gute Menschen sind und niemals würde ich ihnen Bosheit oder Absicht unterstellen. Doch eines ist Fakt: Mit meiner Erziehung waren sie überfordert.

Ich war schon immer ein Mensch, der Gemeinsamkeiten den Unterschieden vorzieht. Und so versuchte ich mir seit meinem 14. Lebensjahr eben diese komischen, absolut unerklärbaren Verhaltensweisen meiner Eltern zu erklären. Heute weiß ich, dass es die Anfänge meiner Berufung waren. Und so geht es vielen Menschen, vielleicht allen, die etwas aus ihrem Leben machen oder gemacht haben. Unsere Kindheit und Erziehung prägen uns, ob wir wollen oder nicht.

Studium

Auch ich hatte mich mit diesem Los noch nicht angefreundet, hatte den Studiengang von Wirtschaftsingenieurwesen zu Wirtschaftswissenschaften gewechselt und hatte die Bekanntschaft mit Leuten gemacht, deren Geschichte ich erst in ein paar Jahren erzählen darf. Ich war umgezogen, aber nicht nur ein Mal.

Zu der Zeit rauchte ich nicht nur eine Schachtel am Tag, sondern auch meinen ersten Joint. „Mein Mund wird ganz trocken“ – „Willkommen, du bist high“ war meine erste Erfahrung mit diesem Wunderkraut. Wunder-Kraut daher, weil es mich die nächsten 4 Jahre begleitete, durch Höhen und Tiefen und diese vielleicht sogar verursachte.

Wirtschaftsingenieur und Wirtschaftswissenschaften

Ich probierte alles. Nein! Nicht mit Drogen, da habe ich tunlichst von allem außer dem Gras die Finger gelassen. Ich meine mein Studium. Gewechselt hatte ich, um statt des langweiligen Physik- und Konstruktionskrames lieber Recht zu haben.

Wie öde das jedoch in Wirklichkeit war, hatte mir keiner gesagt. Das spannendste war noch ein Frauen- und Minderheitsverachtender Professor, der fachlich anscheinend in der obersten Liga, menschlich jedoch in der untersten spielte. Ein Phänomen, was mir später sowohl bei Studenten als auch Universitätsangehörigen der Wirtschaftsfakultät noch häufiger auffiel. Ein Schelm, wer hier Zusammenhänge vermutet.

Als ich die Rechtsspezialisierung aufgegeben hatte, war meine Wirtschaftsprüfer-Karriere damit auch beendet – noch bevor die ausgesäten Keime überhaupt treiben konnten. Der bestbezahlteste Job eines Wirtschaftswissenschaftlers war mir anscheinend vorenthalten?!

Weiter ging es mit der Finanzierung. Obwohl ich das Fach und dessen durchstrukturierte, auswendig herunterzubetende Quacksalberei hasste – oder vielleicht gerade deswegen – schnappte ich mir in den Semesterferien ein Buch und las mich über die Grundlagen ein.

Ich kannte einige, die von der Börse und ihrem Aktienhandel fasziniert waren und so ging es auch mir. Wer im folgenden Monat in der Universitätsbibliothek ein Buch zur Charttechnik suchte, fand kein einziges mehr. Die komplette Reihe stand in meinem Regal! Ok … es waren nur 8 Bücher, doch die verschlang ich.

Aktien & CFD Handel

Wenig später eröffnete ich dann mein erstes CFD-Konto, wo ich mit 300€ Startkapital hochriskante Trades machte. So stand es zumindest in den Warnhinweisen. „Aber was wollt ihr denn? Ich bin kein gewöhnlicher Bürger – ich bin Student und Wirtschaftswissenschaftler!“

Wirt-schafts-wis-sen-schaft-ler!

Interessant war es schon. Doch ich war offenbar auch dafür nicht gemacht, denn sobald mein Geld im Spiel war, war mein Puls auch im Spiel. Und zwar im 3-stelligen Bereich. Jedoch hatte ich nach 2-Wochen knappe 50% Gewinn und mein Konto zeigte nun schon stolze 441€ an. Munter schaute ich weiter, welche Charts mir Aufschluss für die nächste Goldgrube geben würden und dann … kam ein Wochenende.

Zur kurzen Erklärung, was ein CFD ist. Einfach gesprochen wird so getan, als kaufe man eine Aktie. Es wird aber nur so getan, man besitzt gar nichts. Dieses gar nichts wird dann nicht mal voll bezahlt.

Eine Aktie kostet beispielsweise 100€ - ich habe allerdings nur10€. Die restlichen 90€ leihe ich mir hinzu und kann das CFD „kaufen“.

Steigt die Aktie nun von 100€ auf 110€ (10€ Gewinn), erhalte ich den vollen Gewinn in Höhe von 10€, obwohl ich nur 10€ eingesetzt habe.

Diesen Effekt nennt man Hebel. Auf mein CFD entspricht das einem Gewinn von 100% – Wahnsinn! Wortwörtlich ist das nicht gesund für das Leben. Zumindest meines.

Ich hatte also meine CFD’s gekauft und an einem Samstag krachte die Börse erneut ein. Hey, ich bin im Fernsehen! Zumindest hatte ich die Auswirkungen um die Lehman-Brothers 2008 live erlebt.

Als am Montag die Börse eröffnete, waren ihre Eröffnungskurse deutlich niedriger als die Schlusskurse am Freitag. Meine getroffenen Vorsichtsmaßnahmen, beim Unterschreiten eines Kurses sofort die CFD zu verkaufen, waren durch die Gap wirkungslos.

CFD’s bieten durch den gerade erwähnten Hebel auch die Möglichkeit, theoretisch unbegrenzt viel Geld zu verlieren.

So kam es, dass ich an einem Montagmorgen um 8.00 Uhr innerhalb von einer Sekunde 172€ verlor. Ein klassischer Anfängerfehler, das ist klar. Aber ich hatte meine Bücher aufmerksam gelesen.

Ähnlich wie beim Pokern gibt es den Begriff des „auf Tilt sein“ auch an der Börse.

Nach diesem Verlust, der mich knapp unter meinen Anfangsstand brachte (somit als Lehrgeld ohne weiteren Schaden von mir verbucht werden konnte), machte ich eine Pause und verdaute das Geschehene.

Ich war mir sicher, dass ich mir ein gutes und finanziell erfülltes Leben durch harte Arbeit an der Börse erfüllen könnte. Schließlich hatte ich mit einem Aufwand von 4 Wochen lesen mein Kapital innerhalb von 2 Wochen um 50% erhöht.

Was will ich meinen Kindern erzählen?

Meine Frage lautete daher: „Ich erarbeite mir mein Haus, Auto und Boot mit diesem Zahlenschieben. Was erzähle ich meinen Kindern? Kann ich darauf stolz sein?“

Wie ich immer so bin, versuchte ich die Illusion aufrecht zu erhalten, musste mir aber dann recht schnell eingestehen, dass auch diese Form zu Reichtum zu kommen für mich nicht funktionieren würde. Damit war auch das Kapitel der Finanzierung geschlossen und mein Bankerjob an den Nagel gehangen.

Ich war mittlerweile schon wieder umgezogen (endlich in eine richtige Wohnung) und hatte ein finanzielles Angebot, über das ich auch jetzt noch nicht sprechen möchte. Aus Geheimhaltungsgründen will ich nur so viel sagen: Ich konnte damit viermal so viel verdienen, wie ich in meinem ersten Studenten-Job im Fraunhofer-Institut bekam und doppelt so viel wie im damals aktuellen Job bei VOITH.

Ich lehnte ab. Aus purer Angst, die nächsten Jahre meines Lebens in Situationen zu sein, wo ich um Himmels Willen niemals sein wollen würde.

Gleichzeitig war dies auch der Moment, an dem ich entschloss, in meinem Leben nie wieder etwas nur für Geld zu tun.

Und schon sind wir an dem Punkt in meinem Leben, der sooooooo viel bewegt hat. Ich hatte einen neuen besten Freund und mich mal wieder zu großen Teilen von meinem alten Freundeskreis verabschiedet.

In meinem Leben ging mir das schon oft so. Es gibt einfach zu wenige Menschen, die in meinem Tempo vorwärts gehen, wenn sie es denn überhaupt tun. Zwangsläufig treten irgendwann Konflikte auf oder die Lebensläufe unterscheiden sich derart stark, dass eine so enge Freundschaft, wie ich sie gern pflege, unmöglich wird.

Manchmal vergeht einige Zeit und man kommt sich wieder näher – und über jedes Mal bin ich froh! – und manchmal stelle ich nur fest, dass ich froh bin, vor einiger Zeit diesem Menschen das Beste für sein Leben gewünscht zu haben und anschließend meinen eigenen Weg ohne ihn gegangen zu sein.

Ich wohnte auf jeden Fall mit diesem mir zu der Zeit sehr lieben Menschen zusammen und wir machten einige verrückte Sachen. Die Sommersemesterferien kifften wir nahezu komplett durch – es gab ja auch so viel zu bereden! Wahrscheinlich war es wie in einer Beziehung. Lustig auf jeden Fall.

Und ich kam das erste Mal in Berührung mit Büchern der Persönlichkeitsentwicklung.

Ich glaube, die ersten Bücher drehten sich nur um Fraueneroberungen – in diesem Gebiet war ich nach wie vor die absolute Niete. Ähnlich kritisch, wie alles was ich lese, dachte ich mich auch in diese Bücher hinein und erkannte schnell hinter dem Palaver des Flachlegens und der Methodik der Manipulation den eigentlichen Geniestreich.

Alles beginnt in dir selbst. „Fake it til you make it!“, „Erkenne dich selbst“ oder „Sei authentisch“.

Schnitt!

Nada!

Niente!

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System wird wieder hochgefahren ………………………………………………………

Meine depressive Phase

Ich war vollkommen am Boden. Schon eine ganze Weile hatte ich ab und an Panikanfälle und kam mir dabei jedes Mal wie eine Made zwischen all den mir so groß und vollkommen überlegen scheinenden Menschen vor.

Stets musste mein bester Freund kommen. Und er kam – jedes Mal! Ein herzliches Dankeschön dafür. Auch an jenem verhängnisvollen Tag war sein Einsatz gefragt.

Erst war ich zu einer WG-Party mit Altbekannten eingeladen und anschließend bei mir noch unbekannten zum Abendessen. Das hatte mein Buddy klar gemacht. Soweit kam ich allerdings nicht, doch eins nach dem anderen:

Auf der WG-Party wurde nicht nur im Planschbecken gebadet, Bier getrunken und der ein oder andere Joint herumgereicht. Wem der Begriff „Eimern“ nichts sagt, dem sei nur so viel gesagt – es die härtere Variante des Kiffens. Noch übertriebener als Bong zu rauchen. Und ich probierte es zum ersten Mal aus.

Anschließend musste ich auf Toilette und … da waren sie wieder. Die Minderwertigkeitskomplexe.

Was würden sie über mich denken? Wie lang sitze ich schon auf Toilette? Was denken Sie darüber? Reden sie sogar gerade über mich? Was sagen sie? Sie werden schlecht reden! Aber was? Ich verstehe sie nicht! Sie werden mich alle anschauen! Was soll ich zu ihnen sagen? Wenn ich doch nur wüsste, was sie denken, dann könnte ich mich so verhalten, dass sie nichts merken! Aber sie werden es wissen!

(aber was eigentlich? Das ich auf Toilette saß? … leider merkt ein Mensch, der gerade depressiv ist, die Unlogik seiner eigenen Denkweise nicht so offensichtlich)

Ich schlich mich also von der Toilette, ohne ein Wort zu sagen, von der Party weg (unnötig zu sagen, dass genau das gerade auffiel) und war froh, daheim zu sein. Mein Buddy konnte nicht verstehen, was da in meinem Kopf vorging, aber er saß einfach nur am Bettrand. Und das tat unendlich gut.

Ich weiß nicht, ob es Gefühle meiner Kindheit waren, die ich hier wieder fühlte. Ich weiß nicht, wie es genau dazu kam. Doch ich weiß eine Sache: Es war der schlimmste Moment meines Lebens!

(für alle die damit nichts anfangen können: Nicht einmal der Moment, an dem ich den Kontakt mit meinen Eltern komplett abbrach, kommt auch nur ansatzweise an diese Stufe heran)

Und es war der wichtigste Moment meines Lebens! (im Nachhinein betrachtet)

Nachdem ich meinem Buddy klar gemacht hatte, dass ich unmöglich aufstehen könne und nur in meinem Bett liegen bleiben möchte, ging er allein zu dem Abendessen.

Ich lag also im Bett, zog die Beine in Embryostellung zusammen, drehte mich gegen die Wand und weinte.

Freunde, ich war 23. Unglaublich für mich! Niemand sollte in so einem Alter so etwas erleben, egal ob verschuldet oder unverschuldet.

Ich malte mir in meinem kranken Kopf (das war er ganz wertungsneutral wirklich) also aus, wie rosig das Leben anderer Leute also aussehe, und wie madig mein eigenes doch sei. Ich überlege mir gern und oft Vergleiche, um mir und anderen die verschiedensten Dinge begreiflich zu machen. Doch für diese Situation gehen mir die Vergleiche aus. Am ehesten trifft es wirklich das Gefühl, eine Made zu sein und von der Güte des Menschen, dessen Schuh gerade unheilvoll über der Made schwebt, abzuhängen.

Wie dem auch sei. Es war die Zeit meiner Depression. Während Depression so verboten klingt und gleichzeitig als so definitives Ergebnis, urteilend als graue Wolke immer über einem schwebt, bevorzuge ich folgendes:

Der Sprung ins kalte Wasser

Level up! Selbstfindung. Anfangen, auf eigenen Beinen zu stehen. Auf Körper und Geist hören und sie mit der Seele in Einklang bringen.

Zunächst zur Depression. Wie schon so oft, habe ich mich wieder belesen. Allerdings zunächst zur Depression.

So wie dieses Wortspiel, wenn schon nicht verwirren, dann doch zumindest zum Denken anregen soll, hat die google-ei nach Krankheiten auch nur ein Ergebnis. Man fühlt sich noch kranker! Ich glaube, es gibt keine Krankheit, die man nicht haben kann – solange man ihre Symptome im Internet nur finden kann!

Nichtsdestotrotz lernte ich viel über mich und mein Gemüt.

Es war nicht jeder Tag so schlimm wie der vorhin beschriebene. Doch waren alle Tage grau und die Freude war mir vollkommen abhandengekommen. Ich versuchte, das Leben nach außen einigermaßen aufrecht zu halten. Arbeiten gehen. Ab und zu die Familie anrufen. Und mein Studium …?!

Ein Drittversuch (besteh diese Prüfung oder du darfst deinen Studiengang nie wieder studieren und fliegst von der Uni) und damit entscheidender Punkt meiner näheren Zukunft stand an. In einem nicht so tollen Fach.

Es war die einzige Prüfung, die ich schrieb. Und trotz meiner miserablen Verfassung bestand ich mit der 2. bestgeschriebenen Note. Was war denn hier los?!

Die Macht der Selbstbindung und damit einhergehende (wenn auch nur unbewusste) Zielstrebigkeit hatte mir den Arsch gerettet! Doch mein Interesse lag bei mir.

Mein Problem war ja nicht besser geworden. Im Gegenteil. Je länger so eine Geschichte geht, desto mehr gewöhnt man sich an das Denken in depressiven Mustern.

Helfen konnte mir niemand, mein konsultierter Psychotherapeut hatte weniger Lebensfreude als ich und irgendwie war ihm auch egal, dass ich selbst unfähig war, meine Termine mit ihm einzuhalten.

Mein Leben – meine Verantwortung

Also entschied ich, das Problem selbst zu lösen. Irgendwann kam ich dank lesen guter Literatur an einen ganz entscheidenden Punkt in meinem Leben. Für mich stellte er sich in Form einer einfachen Frage dar:

„Willst du dich für immer als Krüppel akzeptieren und Medikamente schlucken oder nimmst du deinen jetzigen Zustand unter deine volle Verantwortung und akzeptierst, dass dein geistiger Zustand die Reaktion auf deinen Umgang mit dir selbst ist?“

Die Antwort wusste ich noch, bevor die Frage fertig formuliert war! Obwohl ich zu der Zeit noch nicht verstand warum, so glaubte ich, dass ich als einziger Mensch etwas für einen zumindest akzeptablen geistigen Zustand tun müsse.

Trotz diesem scheinbaren Nachteil war ich fest entschlossen, alles zu tun, was nötig ist! Und dabei blieb es. Mein Leben wandelt sich seitdem immer weiter. Das hat es schon immer gemacht, doch seit diesem Punkt bestimme ich die Richtung.

Ich gehe nicht immer vorwärts, manchmal auch einen Schritt zurück oder im Krebsgang seitwärts. Doch das Ziel ist klar und so kann es auf lange Sicht nur eine Richtung geben!

So stieß ich auf diesem Weg an viele weitere Pforten. Dieser Weg scheint in einer Welt der schnellen Verführung außer Mode gekommen zu sein, da er stets neue und größere Hindernisse hat, doch bietet er anhaltende – oder neudeutsch „nachhaltige“ – Momente der Erfüllung.

Sich selbst erst zu erkennen und dann immer weiter kennen zu lernen ist wie das Wachsen eines Baumes.

Während der Keim im Innern treibt, ist im Außen nichts zu sehen. Doch mit Sicherheit kommt der Moment, wo der noch junge Baum die Schale durchbricht, wo das Huhn mit seinem Schnabel die Schale zersticht, der kleine Vogel das erste Mal aus dem Nest hüpft und fliegen lernt oder der Mensch beginnt, seinen eigenen Weg zu gehen.

Und dieser Weg, er ist es, der das Leben für mich ausmacht.

Dieser Artikel soll jedem, der ihn liest, grob vermitteln, wie ich zu meinem eigenen Denken gekommen bin. Wie ich darauf gekommen bin, bewusst zu werden und mein Inneres neu auszurichten. Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen.

Und vom inneren Kern aufbauend, von dem was in jedem Menschen ganz einzigartig ist, entwickle ich ein Fundament, was härter als Stahl allen Widrigkeiten trotzt. Denn das Fundament seid ihr selbst.

Keine Farce, kein Image, sondern wahres Sein.

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